Von Erwachsenen kannst du viel über das Thema Kindertrauer lernen

Das Thema Kindertrauer ist mir ein großes Anliegen.
Spannenderweise beginnen sich auch immer mehr Erwachsene zu öffnen, wenn sie hören, dass Kindertrauer eines meiner Themen ist. Viele von ihnen erzählen mir dann nicht von den Erlebnissen mit ihren Kindern. Nein, sie schildern mir Erlebnisse, die sie als Kinder hatten und die sich tief in ihr Gedächtnis eingegraben haben. Nach heute nach teilweise 40 Jahren beschäftigen sie diese Erlebnisse.

Es sind traurige Erlebnisse, die sie in der Kindheit hatten und in denen die Erwachsenen nicht ideal reagiert haben. Genau aus diesen Geschichten lerne ich immer wieder dazu. Denn wenn ein Thema eine erwachsene Person nach so vielen Jahren noch beschäftigt, kann ich annehmen, dass sie für das Kind zumindest prägend, wenn nicht gar traumatisch gewesen sein muss.

Aus all diesen Geschichten fasse ich heute zusammen, was du möglichst vermeiden solltest. All diese Reaktionen, die ich jetzt schildere machen Erwachsene nicht absichtlich, sondern sie konnten in der Situation einfach nicht anders handeln. Sie wussten es nicht besser.
Die Namen der Personen sind frei erfunden. Die Begebenheiten weitgehend wirklichkeitsnah.

Ich werde diese Statements unkommentiert stehen lassen. Ich finde, so regen sie am meisten zum Nachdenken an.

  1. Den Schmerz des Kindes klein machen

Andrea kann sich noch genau an die Trennung ihrer Eltern erinnern. Es war furchtbar für sie. Plötzlich war alles anders. Und dann redete ihr die Mutter auch noch ein: „Sei froh, jetzt geht es uns viel besser. Du brauchst nicht mehr die täglichen Streitereien anzuhören. Wir werden es uns schön machen. Der Papa war doch ohnehin kaum zu Hause!“

  1. Das Kind mit Floskeln trösten

Bettina war 5 Jahre alt, als die beste Freundin Sabine wegzog. Sie hat tagelang geweint. Ihre Mama sagte zu ihr. „Das wird wieder. Du hast doch so viele andere Freundinnen. Schau doch nach vorne. Du wirst sehen, alles ist bald wieder gut.“ Bettina sagt heute: „Klar hatte ich viele andere Freundinnen, aber Sabine war nicht zu ersetzen. Sie stand mir näher als andere. Diesen Spruch `Das wird wieder!´, habe ich gehasst. Nichts wurde wieder! Sabine war weg! Ich habe nie wieder etwas von ihr gehört!“

  1. Zu schnell Ersatz leisten

Klaus schildert: „Ich hatte einen Hund. Er hieß Benno. Eines Tages riss er aus, weil er einer läufigen Hündin nachrannte. Das hatte er schon öfter getan. Aber diesmal kam er nicht mehr zurück. Es stellte sich heraus, dass Benno von einem Auto überfahren worden war.
Ich war furchtbar traurig. Mein Papa konnte das gar nicht sehen und schenkte mir nach einer Woche einen neuen Hund. Wann immer ich weinte meinte er, dass ich doch ohnehin schon einen neuen Hund hätte. Aber das war nicht Benno. Anfänglich habe ich diesen Hund sogar gehasst. Nach einigen Monate hat er sich dann doch in mein Herz geschlichen, aber Benno habe ich nie vergessen.“

  1. Dem Kind ein Begräbnis ersparen oder ohne zu fragen zu erleichtern

Claire hat ihre Mutter im Alter von 8 Jahren verloren: „Mein Vater meinte damals, dass ich der Beerdigung und dem Schmerz nicht gewachsen sei. Ich durfte zwar bei der Beerdigung dabei sein, aber er fragte eine Bekannte, ob sie ganz hinten im Trauerzug mit mir gehen wollte. Er wollte mir die Beileidsbekundungen ersparen. Aber ich habe mich so allein gefühlt. Viel lieber wäre ich vorne mit ihm gegangen und hätte mit ihm gemeinsam geweint.“

Thomas war 8 Jahre alt, als sein Großvater verstarb. Er hatte eine sehr enge Beziehung zu ihm. Seine Eltern beschlossen damals, dass er zu jung sei für ein Begräbnis. Bis heute hängt ihm das nach: „Ich konnte dadurch von meinem Opa nicht richtig Abschied nehmen. Ich finde das bis heute sehr schade. Es hat mich immer geärgert, dass mich meine Eltern nicht einmal gefragt haben.“

  1. Auf Konventionen pochen

Pia war 15, als einer ihrer Schulkollegen starb. Er ging „nur“ in die Parallelklasse. Für sie war das furchtbar und sie beschloss für einige Zeit schwarz zu tragen. Alle sollten ihre Trauer sehen.
„Meine Eltern haben mich zwar nicht verstanden, aber sie haben mich zumindest unterstützt. Unser Schulleiter war da ganz anders. Für ihn hatte meine schwarze Kleidung nichts mit Trauer zu tun. Er unterstellte mir aufmüpfig zu sein. Immer wieder sagte er mir am Gang, dass schwarze Kleidung nur für die engsten Familienmitglieder passend sei und ich das nur als Ausrede hernehme, um mich möglichst `gruftig´ kleiden zu können. Ich habe mich total unverstanden gefühlt.“

  1. Das Kind in seinem Schmerz allein lassen

Vera schildert: „Als ich 6 Jahre alt war, sind wir übersiedelt. Ich hatte fürchterliche Sehnsucht nach meinen alten Freunden. Meine Eltern hielten es aber für das Beste, wenn ich so schnell wie möglich im neuen Ort Anschluss finde. Sie haben mich nicht darin unterstützt, mit meinen alten Freunden Kontakt zu halten. Sie nahmen meinen Schmerz gar nicht richtig wahr. Sie meinten ich sei ohnehin noch jung genug, um die anderen schnell zu vergessen.
Das tat mir sehr weh. Als ich dann studierte, nahm ich mit einigen dieser Freunde wieder Kontakt auf. Leider ließen sich die verlorenen Jahre nicht nachholen. Das nehme ich meinen Eltern heute noch übel.“

Paul hat folgendes erlebt: „Im Alter von 13 Jahren verlor ich meine Mutter. Mein Vater tat sein Möglichstes, um für mich zu sorgen. Er arbeitete, versorgte den Haushalt und hat sich gut um mich gekümmert. Aber ich habe mich nicht getraut meine Trauer zu zeigen, weil er selbst so traurig war. Immer hatte ich das Gefühl ich muss stark sein.“

Fazit

Es ist für Erwachsene gar nicht so leicht sich in die Kinderseelen einzufühlen. Gib einfach dein bestes und höre deinem Kind zu.

Jeder trauert anders!

 

 

 

 

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