Burnout statt Babyglück?

Burnout statt Babyglück?

Heute gibt es einen Gastartikel von Susanne Ertle. Sie erzählt, wie der Alltag einer frischbebackenen Mama aussehen kann. Nicht immer ist alles so, wie wir es uns erträumt haben. Ich kann da selbst ein Lied singen. Mein Sohn war ein Schreibaby und es kam oft vor, dass ich ihn abends völlig fertig meinem Mann in die Hand gedrückt habe. Nicht nur das Kind auch ich war am Ende meiner Kräfte. Ich wollte nur noch Ruhe, wollte, dass er zu schreien aufhört. Und ich habe mich selbst dafür gehasst und geschämt, weil ich meinem kleinen, süßen Sohn nicht geben konnte, was er braucht. Damals habe ich noch nicht verstanden, dass eine Mama nicht jedes Baby- und Kinderproblem lösen kann.

Mein Gesicht habe ich fest in meinen Händen vergraben, damit keiner meine Tränen sieht, obwohl gar niemand im Raum ist. Ich schäme mich zutiefst, liege zusammengekauert in Embryonalstellung auf dem Boden und versuche mich mit einem leichten Schaukeln selbst zu beruhigen. Mein kleines, vier Wochen altes Baby liegt nebenan im Laufstall und schläft seelenruhig. Endlich. Endlich Ruhe und Stille, endlich Pause und endlich kann ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen. So habe ich mir mein Leben mit Kind definitiv nicht vorgestellt. Dass es anstrengend wird – keine Frage, dass mich der chronische Schlafentzug fertig macht – keine Frage, dass ein Kind eben manchmal schreit – keine Frage. Aber absolut nicht erwartet hatte ich, dass:

  • mein Kleiner fast dauerhaft schreit,
  • ich, selbst wenn er schläft, nicht zur Ruhe komme,
  • mich das alles so dermaßen belastet, dass ich nur noch am Weinen bin,
  • meine Beziehung kaputt geht,
  • ich vermutlich bald alleine mit ihm und meinem Haus voller Schulden dastehen werde,
  • ich meinen unschuldigen, zarten, kleinen Liebling in Gedanken manchmal an die Wand werfe, ihn die Treppe runterschmeiße oder ihn schüttele, einsperre oder ersticke, nur damit er Ruhe gibt,
  • ich total überfordert bin,
  • ich mich ungeliebt und bestraft fühle,
  • ich einfach nur am Ende meiner Kräfte angelangt und am Rande des dritten Nervenzusammenbruchs stehe.

Ich frage mich, was aus der starken, taffen Frau bloß geworden ist, die da gerade völlig zerstört am Boden liegt.

 

Zwei Wochen danach:

Mein befürchtetes Horrorszenario tritt also tatsächlich ein. Mein Partner und Papa von Leo verlässt uns. Nun stehe ich da: alleine mit meinem Kind, alleine in einem riesigen Haus, alleine mit einem Berg voller Schulden, alleine alles bewerkstelligen müssen; alleine mit meinen Sorgen, alleine Entscheidungen treffen müssen, alleine nachts, alleine, wenn mein Baby schläft, einfach nur alleine. Ich fühle mich so leer, alleingelassen, ausgestoßen, nichts wert, nicht gut genug, hilflos, wie eine Versagerin. Selbst vor meinem Sohn kann ich meine Fassade nicht mehr aufrechterhalten und heule, heule, heule. Ich heule vor ihm, ich heule mit ihm und ich heule vor allem seinem Papa nach. So viel geweint habe ich gefühlt mein ganzes Leben nicht.

 

Wie kann es nur sein, dass ein so kleines zartes Wesen, welches Glück pur verspricht, nur so viel Leid verursachen kann?

Und da fällt es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen:

Glück finde ich nicht im Außen. Glück findet einzig in mir drinnen statt.

Wie oft denken wir: Was war der Grund für Veränderung? Was war die Ursache, damit ich meine so kuschlige Komfortzone verlassen musste? Das Leben ist stetige Veränderung. Doch genauso wie das Glück finden wir auch den Umgang mit all den Veränderungen und Problemsituationen nur in uns selbst. Dieses Baby ist wahrlich unschuldig. Wer bin ich nur, um es so klein schon zu verurteilen? Klar ist es einfacher, erstmal die Ursache bei anderen zu suchen. Schließlich habe ich es so gelernt. Aber wurde es mir auch tatsächlich so beigebracht, gelehrt? Hm… eher unbewusst. Das meiste habe ich mir einfach abgeschaut. 32 Jahre lang bekam ich von meinen Eltern mit, wie sie mit Problemen umgehen. Dass nicht darüber gesprochen wird, dass im stillen Kämmerlein geweint wird, dass nach außen hin die heile Welt vorgegaukelt wird.

 

Mir wird plötzlich klar:

Kinder lernen hauptsächlich durch Nachahmung!

Also beginne ich damit, mir wichtige Fragen zu stellen, die sich nicht mehr um die Suche nach der Problemursache in der Vergangenheit richten, sondern mich lösungsorientiert in die Zukunft blicken lassen. Fragen, wie:

  • Welches Leben lebe ich eigentlich meinem Kind vor?
  • Und ist es auch tatsächlich das Leben, welches ich mir für ihn wünsche?

Kurz kommt mir der Gedanke: „Ich kann ihm nicht das Leben vorleben, was ich mir für ihn wünsche, denn dazu fehlt sein Papa. Nur er macht diese Familie komplett und vollständig und zeigt ihm das Bild einer funktionierenden Familie.“ Doch ich hole mich immer wieder selbst aus dieser destruktiven Denkweise heraus und frage weiter:

  • Mit den Möglichkeiten, die mir momentan zur Verfügung stehen, was kann ich ihm vorleben, das ich mir auch später für ihn wünsche?

 

Und schon ist es da. Der Gedanke, dass ich

  • aus jeder Situation einfach das Beste machen kann, was möglich ist,
  • aus den Bauklötzen, die mir in den Weg geworfen werden, einfach etwas Schönes bauen kann,
  • egal was das Leben mir auch für Hindernisse und Krisen vorbeischickt, ich immer selbst bestimmen kann, was ich daraus mache.

Genau diese Haltung wünsche ich meinem Sohn. Und so versuche ich fortan tagtäglich, ihm dies vorzuleben.

 

Etwas ganz erstaunliches passierte dadurch. Diese Fragen und auch meine neue Lebensart führten mich zurück in mein eigenes Leben.

 

Möchte ich ihm vorleben, dass ich es allen anderen recht mache, nur mir selbst nicht?

Oder zeige ich ihm, wie Selbstfürsorge und Selbstliebe funktioniert ohne egoistisch zu werden?

 

Möchte ich ihm vorleben, dass ich mich als Mutter nur mehr noch in der Mutterrolle zu bewegen habe und damit mein eigenständiges Leben völlig aufgeben muss?

Oder zeige ich ihm, dass ich auch noch Partnerin, Freundin, Vereinskameradin, Tochter etc. sein darf?

 

Möchte ich ihm vorleben, wie wichtig es ist, perfekt sein zu wollen, es aber niemals zu schaffen?

Oder zeige ich ihm, dass jeder Mensch einfach so seine Macken hat, seine Schwachstellen und wie man seine Stärken hervorhebt und nutzt?

 

Mir wird schnell klar, wenn ich gut für mich selbst sorge, gut auf mich achte und mir verantwortungsbewusst eigene Bedürfnisse und Wünsche erfülle, einfach das Leben meiner Träume führe, dass ich genau damit auch erreiche, dass er genau das von mir für sein späteres Leben lernt.

 

Heute:

Ich habe meine persönliche Balance gefunden, ihm die Sicherheit zu geben, dass ich immer für ihn da sein werde, dass er immer auf mich zählen kann, dass ihm an nichts fehlt und ich ihn liebe, wie ich noch nie zuvor jemanden geliebt habe und gleichzeitig mein eigenes erfülltes Leben lebe.

 

Genau das wünsche ich auch dir aus ganzem Herzen.

PS: Ganz nebenbei gewann ich mit genau mit dieser Lebenseinstellung auch meinen Partner zurück.

 

Ich bin Susanne Ertle, Autorin, Stress- und Burnoutpräventions­beraterin sowie Mutter. Ich liebe es anderen Müttern dabei zu helfen, verantwortungsbewusst für eigene Bedürfnisse einzustehen und das Leben ihrer Träume zu führen. Sollte das auch dein Wunsch sein, oder möchtest du Klarheit bekommen, dann freue ich mich, dich kennenzulernen.

Wenn dieser Artikel Fragen aufgeworfen hat, schreibe mir gerne eine E-Mail an lernen@susanne-ertle.de .

Meine persönliche Entwicklungsgeschichte und wie ich in diesen enormen Erschöpfungszustand geriet, findest du im Buch „Burnout im Baby-Glück?“

 

 

 

 

Susanne hat übrigens ein Geschenk für dich. Hier gibt es gratis einen Kapitelauszug aus ihrem Buch. So kannst du hineinschnuppern und brauchst die Katze nicht im Sack zu kaufen 😉

 

 

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