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Gelassenheit bei Wut, Zorn und Ärger von Kindern

Gelassenheit bei Wut, Zorn und Ärger von Kindern

 

Wut, Zorn und Ärger bei Kindern

In meinem letzten Artikel zu „Wöchentlich Gelassenheit“ habe ich den gelassenen Umgang mit negativen Gefühlen bei Kindern kurz angerissen. Dieses Thema ist sehr umfangreich und so habe ich mich entschlossen, einzelne Gefühle, die erfahrungsgemäß für Eltern schwer auszuhalten sind, herauszunehmen.

Diesmal geht es um den großen Block Wut, Zorn und Ärger

Die damit verbundenen Gefühle unterscheiden sich zwar, die Auswirkungen auf die Umwelt sind aber sehr ähnlich. Daher habe ich mich entschlossen auf diese Gefühle gemeinsam einzugehen.

Diese Begriffe werden im Alltag als Synonyme verwendet. Die Abgrenzung ist fließend und in den Lexika wird ein Begriff zur Beschreibung des anderen herangezogen. Ein richtiger Zirkelschluss.

Ich hab nach den Definitionen für die drei Worte gegoogelt und heraus kam folgendes:

Wut

Substantiv [die]

ein Gefühl, das von starkem Ärger und Zorn bestimmt ist und bei dem man häufig laut wird oder schreit.

Zorn

Substantiv [der]

ein Gefühl großer Wut.

Ärger

Substantiv [der]

heftiges Gefühl der Unzufriedenheit und leichter Wut.

Aha! Jetzt wissen wir es also ganz genau.

Trotzdem unterscheiden die meisten erwachsenen sehr genau zwischen den Begriffen und für viele Menschen macht es einen Unterschied, ob sie verärgert, wütend oder zornig sind.

Um dein Kind in seinem Gefühl begreifen zu können, hilft es dir sehr, wenn du weißt, wie sich für dich Wut, Ärger oder Zorn anfühlen.

Wut ist eine heftige, impulsive Emotion und wird intensiver empfunden, als Ärger. Daher ist Wut sehr schlecht zu beherrschen. Sie überfällt den betreffenden. Oft geht eine Kränkung der Wut voraus.

Zorn kann in den Ausprägungen sehr ähnlich sein, ist aber meist distanzierter als die Wut.
Von Zorn spricht man dann, wenn die Angelegenheit, die uns ärgert, nicht primär auf unser Ich bezogen ist, sondern auf etwas Übergreifendes. (Verena Kast)

Ärger wird auch als Verdruss und spontane emotionale Reaktion auf etwas beschrieben, was unangenehm oder unerwünscht ist.

Du weißt noch immer nicht, wo genau der Unterschied liegt? Wenn du meinen Newsletter abonniert hast, findest du im Downloadbereich eine Übung, die es dir erleichtert, die Unterschiede dieser Gefühle wahrzunehmen.

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Entdeckung der eigenen Persönlichkeit

Die belastenden Wutphasen der Kinder treten oft im Alter zwischen 2 und 3 Jahren auf. Im vielzitierten Trotzalter des Kindes. Dieses Trotzalter ist „eigentlich“ etwas Positives, denn es ist ein Signal dass das Kind sich als eigene Persönlichkeit wahrnimmt und selbstbestimmt handeln möchte.

Ich habe schon Artikel gesehen, wo den Eltern empfohlen wird, die Trotzphase als Selbstbestimmungsphase zu sehen. Es erscheint mir jedoch zu einfach, die für Eltern und Kind entstehende Problematik mit einem anderen Begriff lösen zu wollen. Die Herausforderungen für Eltern und Kind bleiben trotz dieses neuen Begriffes bestehen.

Was sind also die Gründe für die Wut von Kleinkindern?

Das Kind nimmt sich selbst als eigenständige Person wahr. Es erkennt, dass es etwas bewirken kann und es versucht, das, was es bis jetzt von der Welt gelernt hat einzusetzen.

Das Kind will forschen

Lea steht bei der Stereoanlage. Sie weiß, dass aus den Lautsprechern Laute und Töne kommen, wenn der Papa an den Knöpfen dreht. Das hat sie beobachtet. Jetzt will sie das selbst ausprobieren. Und siehe da, es funktioniert. Da bemerkt sie eine Steckbuchse. Wofür die wohl da ist? Da kann man bestimmt etwas hineinstecken. Sie versucht es mit einem ihrer Bausteine. Der ist zu groß. Papa sitzt daneben und lacht. Plötzlich kommt Lea auf die Idee ein abgebranntes Zündholz, das unbemerkt vom Tisch gefallen ist in dieses verlockende Loch zu stopfen. Das ist klein genug. Plötzlich springt Papa auf und schimpft. Lea ist verwirrt. Gerade hat Papa noch gelacht und jetzt schimpft er. Sie wird wütend. Sie wirft sich auf den Boden und schreit so stark, dass ihr Kopf ganz rot wird.

Das Kind will bestimmen

Christopher soll sich anziehen. Wie jeden morgen hat seine Mutter die Kleidungsstücke zurecht gelegt. Christopher beginnt zu toben. Als ihn seine Mutter anziehen will, nimmt er die Seesternposition ein. Er schreit und brüllt und ist nicht zu beruhigen.

Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass Christopher mit der Wahl des T-Shirts nicht einverstanden war.

Das Kind probiert sich aus

Anna ist mit ihrer Mutter einkaufen. Bei der Kasse wird sie auf die vielen verlockenden Süßigkeiten aufmerksam und will etwas davon in den Wagen schummeln. Vom Sitz im Einkaufswagen greift sie nach einem Lolly. Die Mutter nimmt den Lolly und legt ihn wieder zurück. Anna beginnt zu toben. Die Mutter bleibt konsequent. Anna merkt aber, dass sich die umstehenden Personen in zwei Lager aufzuspalten beginnen. Einige ärgern sich über den Lärm und anderen tut sie leid. Sie merkt, dass auch ihre Mutter langsam unruhig wird. Vielleicht gibt sie doch noch nach?

Das Kind will beteiligt sein

Paul ist mit seinem Vater im Garten. Der Vater ist beim Rasenmähen. Paul läuft mit einem Spielzeugrasenmäher hinterher. Er ist selig.
Das war nicht immer so.  Pauls Vater erzählt: „Früher konnte ich kaum im Garten arbeiten. Paul war immer anhänglich und wenn ich den Rasenmäher anwarf, dann wurde er besonders unruhig. Immer wollte er den Rasenmäher schieben. Das habe ich nicht zugelassen, weil ich Angst hatte, er könne sich verletzen. Das machte Paul richtig wütend. Normalerweise ist er ein ruhiges Kind, aber wenn ich den Rasenmäher bediente, war er nicht wieder zu erkennen. Er wollte unbedingt seinen Willen durchsetzen und tobte und schrie. Manchmal musste ich mit dem Rasenmähen aufhören. Bis wir diesen kleinen Spielzeugrasenmäher fanden.“

Das Kind ist orientierungslos oder mit der Auswahl überfordert

Lisa sitzt mit ihren Eltern im Lokal. Sie ist ein ruhiges, liebes Kind. Ihr Vater fragt sie, was sie gerne essen möchte und beginnt ihr die Karte vorzulesen. Lisa kann sich nicht entscheiden und beginnt zu trotzen. Da hat ihre Mutter die rettende Idee: „Lisa, willst du Schnitzel mit Pommes, oder lieber Pizza?“ „Pizza!“ strahlt Lisa.

Das Kind ist eifersüchtig oder hat Verlustängste

Kevin hat eine kleine Schwester bekommen. Er vergöttert seine „Bine“, wie er seine Schwester Sabine nennt. Er ist rücksichtsvoll und ganz großer Bruder. Nur wenn seine Bine gestillt wird, beginnt Kevin durchzudrehen. Erst macht er Quatsch. Das führt dazu, dass seine Mama schimpft. Sie kann auch nicht immer mit Sabine auf dem Arm zu ihm kommen. Also spricht sie mit ihm. Nach einiger Zeit wird Kevin wütend. Er schreit herum und rast durchs Zimmer. Dadurch wird Sabine unruhig und hört auf zu trinken. Das macht Mama unruhig. Sie schimpft. Jetzt wird es Kevin zu viel und er wirft sich tobend auf den Fußboden.

Das Kind wird von den Gefühlen überrollt

Lena und Chiara sitzen in der Sandkiste. Sie spielen ganz friedlich nebeneinander. Lena schaufelt Sand ihn ihren Kübel. Plötzlich nimmt Chiara Lenas Kübel und beginnt damit zu spielen. Lena reagiert heftig und versucht Chiara den Kübel zu entreißen. Chiara hält den Kübel verbissen fest. Jetzt will sie ihn haben. Daraufhin nimmt Lena ihre Spielzeugschaufel und klopft Chiara damit auf den Kopf.

Aufgabe der Eltern

Eltern sind die Helfer des Kindes. Gerade im Trotzalter können viele Situationen entschärft werden, wenn Eltern verstehen, warum ihr Kind so handelt.
Hier kommt einer der wichtigsten Grundsätze der Montessoripädagogik zum Tragen: „Hilf mir, es selbst zu tun!“ Viele Trotzattacken können verhindert werden, wenn Kinder einbezogen werden und selbst aktiv werden können.

Um dein Kind richtig unterstützen zu können, solltest du beobachten und forschen, was hinter seinem Unmut steckt.

So kannst du deinem Kind helfen

Auswahl

Wenn es etwas zu entscheiden gilt, dann kannst du dein Kind miteinbeziehen. Triff selbst die Vorauswahl und stelle dann zwei Alternativen vor. Unter diesen beiden kann das Kind entscheiden. Also etwa: Willst du die roten oder die braunen Schuhe.

Zeitpolster

Wenn du mit deinem selbständig werdenden Kind unterwegs bist, plane Pufferzeiten ein. Es kann immer wieder vorkommen, dass dein Kind etwas selbst ausprobieren möchte. Sei es das Schließen des Autogurtes oder das Abwiegen der Bananen im Supermarkt. Freue dich, dass dein Kind etwas lernen möchte und unterstütze es dabei. Besser 5 Minuten dabei zugesehen, wie sich das Kind mit dem Autogurt abmüht, als eine halbe Stunde durch einen Trotzanfall verloren.

Bezieh dein Kind mit ein – Lass es mithelfen

Lass dein Kind Sachen machen, von denen du weißt, dass es sie kann. Z. B. den Einkaufswagen schieben, das Obst im Supermarkt auf die Waage legen, eine Einkaufstüte tragen oder Ähnliches. So ist dein Kind beschäftigt und merkt, dass es etwas beitragen kann.

Kündige Änderungen an

Oft trotzen Kinder, weil sie in einer Tätigkeit unterbrochen werden. Wenn dein Kind angeregt spielt und ihr einen Termin habt, dann geh schon vorher ins Kinderzimmer und kündige an, dass ihr euch schon bald anziehen und das Haus verlassen müsst. Begriffe wie 5 Minuten sind für kleine Kinder sehr abstrakt. Hier haben sich kleine Eieruhren mit verschiedenen Durchlaufzeiten bewährt. Du kannst deinem Kind sagen: „Wenn der Sand in der gelben Sanduhr durchgelaufen ist, ziehen wir uns an und gehen.“

Sanduhren

Zeig Verständnis

Manchmal ist es einfach öd, warten zu müssen. Das geht uns als Erwachsene auch auf die Nerven. Du kannst deinem Kind also sagen: „Ich weiß, du bist wütend, dass wir hier so lange warten müssen. Leider kann ich da auch nichts machen.“

Sorge vor

Viele Kinder werden wütend und quengelig, wenn sie hungrig sind. Hier wirkt ein Happen zu essen wahre Wunder. Ich hatte für solche Fälle immer eine Banane und ein paar trockene Kekse mit dabei.

Ablenken

Manchmal ist Ablenkung der richtige Weg. Setze dieses Mittel aber sparsam ein. Dein Kind lernt sonst, seine Gefühle zu unterdrücken und zu etwas anderem überzugehen.

Zeig Alternativen auf

Dein Kind wird wütend und schlägt um sich. Zeig ihm, wie es seine Gefühle abreagieren kann, ohne andere zu verletzen. „Nicht schlagen und beißen. Einen Schritt zurückgehen und fest mit dem Fuß aufstampfen.“ Halte die Anweisung kurz und lobe, wenn dein Kind reagiert und das Verhalten ändert.

Wutwinkel

Schaffe zu Hause einen Platz, wo sich dein Kind abreagieren kann. Das kann ein Polster sein, auf den es einschlagen kann oder in den es hineinbrüllt. Du kannst ihm auch ein richtig schweres, altes Telefonbuch (die gibt es leider kaum mehr) geben, das es heftig auf den Boden schmeißen kann.

Hilf deinem Kind Worte zu finden

Das geht erst nachdem die Wut verraucht ist. Dein Kind sollte sich ein wenig beruhigt und Abstand von der Situation haben. Nachdem kleine Kinder aber nicht sehr lange Zusammenhänge herstellen können, musst du ihm helfen, sich an die Situation zu erinnern. Etwa so: „Warst du wütend, weil dir Chiara deinen Sandkübel weggenommen hat?“

Zuneigung zeigen

Zeig deinem Kind, dass sein Verhalten nichts an deiner Liebe zu ihm ändert. Nimm es nach dem Wutanfall wieder in den Arm.

… und die Eltern

Die Wutgefühle der Kinder sind nicht nur für die Kinder unangenehm, auch Eltern kommen dabei an ihre Grenzen und fühlen sich oft hilflos.

Maßnahmen für die Eltern

  • Durchatmen
  • Den Raum verlassen
  • Sich von der Situation distanzieren
    Du kannst dir vorstellen, du bist Akteurin in einem Film oder Schauspielerin in einem Theaterstück. Schau dir selbst zu und beobachte dein Handeln. Was könntest du tun, um den Handlungsverlauf zu ändern?
  • Vorausplanen
    Es klingt banal, aber plane immer wieder Pufferzeiten ein. Der Alltag mit Kindern läuft einfach langsamer und es ist auch für uns Eltern ganz gut wieder dieses langsame Tempo zu erlernen.
  • Sachlich bleiben
    Bleib so gut es geht sachlich. Die Wutanfälle deines Kindes haben meist nichts mit dir als Person, sondern mit der Situation zu tun.
  • Zeit geben
    Gib deinem Kind Zeit, um sich abzureagieren. Warte, bis es sich wirklich beruhigt hat. Wenn du über etwas aufgebracht bist, dann schaffst du es wahrscheinlich auch nicht, gleich wieder ganz gelassen zu sein. (Wenn du es kannst, verrate mit den Trick 😉 )
  • Das Kind zur Seite nehmen
    Es gibt Situationen, da ist es für Kinder und Eltern unangenehm in der Öffentlichkeit zu stehen. Nimm dein Kind zur Seite. Auch kleine Kinder genieren sich manchmal, weil sie wissen, dass das, was sie tun, nicht in Ordnung ist. Sie können nur nicht aus ihrer Haut.
  •  Verständnis haben
    Nicht nur für dein Kind, auch für dich selbst. Diese Situationen können unangenehm sein. Sie bringen auch dich manchmal an deine Grenzen. Das heißt aber nicht, dass du als Mutter versagst.
  • Konsequenz
    Konsequenz gibt deinen Kind Halt und Sicherheit. Es gibt Strömungen in der Erziehung, die so tun, als sei es das Schlimmste in der Welt, einem trotzenden Kind nachzugeben. Ich finde, dass man das nicht verallgemeinern kann. Es gibt durchaus Situationen, wo es angemessen sein kann auf das Kind zu hören. Vor allem dann, wenn sein Wutanfall nicht grundlos ist und du leicht etwas tun kannst. Wenn es Hunger hat, kannst du ja statt des gewünschten Lollys einen gesunden Ersatz anbieten.
  • Eigene Fehler eingestehen
    Manchmal werden Kinder wütend, weil sie sich nicht beachtet fühlen. Wenn du z. B. mit deiner Aufmerksamkeit mal wirklich woanders warst und dein Kind wird deswegen wütend dann kannst du ungefähr so reagieren: „Du hast recht, ich hab dir wirklich nicht gut zugehört. Jetzt bist du wütend. Ich verspreche dir, ich höre dir jetzt ganz genau zu.“
  • Beispiel
    Kinder lernen vor allem durch Vorbild und Beispiel. Auch in diesem Bereich schaut dein Kind sehr genau, wie du mit deinen Gefühlen umgehst und wie du sie äußerst.
    Das bedeutet auch, dass du deinem Kind zeigen darfst, wenn du dich mal ärgerst oder wütend bist.

Ich habe mich heute auf die Wut von Kleinkindern beschränkt. Vieles von dem, was du hier lesen kannst, trifft auch auf größere Kinder noch zu.
Größere Kinder können ihre Wut meistens schon ganz gut im Zaum halten und ihre Gefühle auch beschreiben. So fällt es beiden Seiten leichter, über das Thema zu reden.

Auch wenn dich die Gefühle deiner Kinder an deine Grenzen bringen, denk immer daran: Es geht nicht nur dir so. Es ist vollkommen normal, sich auch als Elternteil mal hilflos zu fühlen.

Bleib gelassen!

Ilse Maria_Signatur

 

 

 

 

Übrigens anderen Eltern geht es genaus. Wunderweib hat einen Tag mit einer Dreijährigen sehr humorvoll beschrieben.

 

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