Hilfe, ich schaffe es nicht, konsequent zu sein!


Diese Aussage höre ich oft von Müttern.

Dabei vergessen sie ganz, dass sie in vielen Lebensbereichen sehr konsequent sind. Sie gehen arbeiten, sie sorgen für ihre Kinder. Sie kochen und waschen. Sie räumen auf und putzen. Sie gehen einkaufen und mit den Kindern auf den Spielplatz. Vieles davon machen sie Tag für Tag. Nichts anderes ist Konsequenz.

Du verfolgst ein Ziel und setzt die Handlungen, die notwendig sind, um das Ergebnis zu erreichen.

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Du willst deine Familie ernähren: Also arbeitest du, um Geld zu verdienen, gehst einkaufen, kochst und deckst den Tisch. Dann könnt ihr gemeinsam essen. Eine sehr konsequente Handlungskette.

Die Frage ist eine andere!

In welchen Bereichen bist du konsequent, in welchen nicht.

Du siehst ja, es gibt Bereiche in denen du konsequent bist. In anderen bist du es nicht. Das ist nicht schlimm. Schauen wir uns gemeinsam an, welche Ursachen das haben kann.

Falsches Begriffsverständnis

Viele Eltern setzten Konsequenz mit Strafen gleich. Konsequenz ist nichts anderes als die Folge einer Handlung. Das zeigt auch gleich, dass ich nur wirklich wählen kann, ob ich diese Handlung setze, wenn ich die Auswirkungen der Handlung kenne.

Wenn du z. B. mit deinem Kind gemeinsam vereinbart hast, dass es jeden Tag eine bestimmte Minutenanzahl an Bildschirmzeit gibt und wenn nicht, sind die Geräte für eine Zeit lang tabu, dann ist das eine Konsequenz. Dein Kind kennt die Regeln, war bei der Erstellung beteiligt und kenn den Ausgang, wenn es die Regeln übertritt.

Wenn dein Kind seine Hausübung nicht macht und du drohst mit Handyentzug, dann ist es Erpressung. Wenn du es tatsächlich machst, dann ist es eine Strafe. Denn diese beiden Dinge haben nichts ursächlich miteinander zu tun.

Andere Probleme rund ums konsequent sein

Das Gefühl herzlos zu sein

Eltern lieben ihre Kinder. Kinder bringen ihren Unmut meistens lautstark zum Ausdruck. Wenn ein Kind dann aus Enttäuschung weint, dann haben Eltern schnell das Gefühl herzlos zu sein.
Hast du dann noch in deinem Ärger übertrieben und die Konsequenz sehr streng gesetzt, dann hast du vielleicht zusätzlich noch ein schlechtes Gewissen.

Angst vor Liebesverlust

Wir alle wollen geliebt werden. Eltern lieben ihre Kinder. Sie freuen sich aber auch, wenn Kinder ihre Liebe zeigen.
Es ist einfach schön, wenn sich eine kleine Kinderhand vertrauensvoll in deine große Hand hineinschleicht.
Es ist schön, wenn dein Kind dich spontan umarmt.

Im Zorn sind Kinder oft sehr ungefiltert. Sie haben noch keine Impulskontrolle. Sie wissen nicht, wie sehr sie Menschen mit Worten verletzen können. Daher gegen sie schnell einmal Sätze wie: „Ich hasse dich!“ von sich. Sie machen dadurch ihrem eigenen Ärger Luft. Es ist wie ein Ventil.

Im Zorn sind Kinder oft sehr ungefiltert. Sie haben noch keine Impulskontrolle. Klick um zu Tweeten

Was dabei aber oft passiert, ist dass die Eltern von diesen Worten tief getroffen sind. Sie fühlen sich auf einmal ungeliebt. Dieses Gefühl ist ganz schwer auszuhalten. Meistens fällt ihnen auch gleich ganz spontan eine Situation als Kind ein, wo sie sich auch ungeliebt gefühlt haben. Sie fühlen sich verunsichert und ganz allein.

So stehen einander plötzlich zwei verletzte Kinderseelen gegenüber. Die Eltern zerreißt es innerlich fast. Einerseits weiß das Erwachsenen-Ich, dass sie das richtige tun. Andererseits kennt das Kinder-Ich dieses Gefühl gut und würde es dem eigenen Kind gerne ersparen.

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Perfektionismus des Kindes

Manche Kinder wollen alles alleine machen und sich auch alles allein erarbeiten. Sie plagen sich manchmal fürchterlich und wenn etwas nicht richtig klappt werden sie ärgerlich. Ihre Fehlertoleranz ist gering und sie versuchen die Dinge auch immer auf die gleiche Weise.

In so einem Fall versuchen Eltern oft helfend einzugreifen und zu zeigen, dass es auch andere Lösungen gibt. Das artet oft in Tobsuchtsanfälle aus.

Während dieser Zornanfälle hat es gar keinen Sinn, deinem Kind etwas sagen oder zeigen zu wollen. Es ist so mit seinen Gefühlen beschäftigt, dass es nicht aufnahmefähig ist. Hier kannst du nur da sein und trösten, wenn dein Kind das zulässt.

Während dieser Zornanfälle hat es gar keinen Sinn, deinem Kind etwas sagen oder zeigen zu wollen. Klick um zu Tweeten

Danach kannst du versuchen deine Impulse anzubringen.

Eigene Müdigkeit und Erschöpfung

Wenn du müde bist, dann bist du nicht so belastungsfähig, wie normalerweise. Du bist schneller genervt, wenn es zu Widerstand kommt. Du hast auch selbst nicht so viele Reaktionsmöglichkeiten.

Bei Müdigkeit fallen wir auf bewährte Verhaltensmuster zurück. Wenn die nicht funktionieren, dann fällt es uns schwer unser Verhalten zu verändern.

Erschöpfung verstärkt das alles noch. Du musst dich ohnehin zu jeder Tätigkeit zwingen. Wenn dir etwas nicht gleich gelingt wirst du genau wie dein Kind ungeduldig. Deine Gehirnaktivität ist verlangsamt, deine Reaktionszeit herabgesetzt. So kommt es leichter zu Unfällen.

Wenn dann nur eine Tasse Tee zu Boden fällt und du die Scherben und Flüssigkeit beseitigen musst, fühlt es sich an, wie eine Katastrophe.

In dem Zustand auch noch konsequent zu sein ist schwer. Denn konsequent sein bedeutet auch nachzudenken, was deine Handlungsschritte für das Kind bedeuten.

Stress und enger Terminplan

Zeitmangel ist ein weiteres Problem. Allein schon deshalb, weil Kinder für alles mehr Zeit brauchen. Das ist auch in Ordnung so. Schließlich lernen sie noch.
Wenn du aber schnell in den Kindergarten und zur Arbeit musst, dann sind deine Nerven angespannt.

Sitzt dein Kind dann seelenruhig im Vorzimmer und zieht sich seine Schuhe an, dann kann es schon sein, dass die Nerven bis zum Zerreißen gespannt sind. Du bist ungeduldig, willst unterstützen. Dein selbständiges kleines Kind will aber keine Unterstützung. Eine Sache, auf die du normalerweise stolz bist, wird plötzlich zum Problem. Dein Kind versteht nicht, warum es plötzlich nicht alleine seine Schuhe anziehen darf und beginnt zu toben.

Hier hilft nur, Zeitpuffer einzuplanen. Ist das nicht möglich, dann kannst du nur den Widerstand aushalten und später mit deinem Kind darüber sprechen. Wir alle machen Fehler! Steh dazu und erkläre deinem Kind, dass du nicht richtig gehandelt hast, weil du unter Zeitdruck warst.

Uneinigkeit der Eltern

Uneinigkeit der Eltern ist etwas ganz Normales. Jeder Elternteil hat einen anderen Erfahrungshintergrund und wurde selbst auf eine andere Weise erzogen. Das prägt uns.
Schlimm wird Uneinigkeit dann, wenn vor den Augen des Kindes gestritten wird.

Legt als Eltern in Ruhe den gemeinsamen Rahmen fest. Der gemeinsame Rahmen, sind die Dinge, die beiden Eltern wichtig sind. Somit habt ihr eine Basis.
In allen anderen Fällen wird nach Bedarf entschieden. Entweder entscheidet der, der gerade verfügbar oder verantwortlich ist. Oder ihr nehmt euch die Zeit, die Einzelentscheidung gemeinsam zu besprechen.

Nicht jede Entscheidung muss gleich getroffen werden. Es ist durchaus in Ordnung einem Kind zu sagen: „Ich bespreche das heute Abend noch mit Papa und wir entscheiden dann gemeinsam!“
In der Regel wird es sich hier ohnehin um größere Entscheidungen handeln und nicht darum, ob das Kind ein Eis bekommt ;-)

Fehlende Klarheit

Je klarer du über deine Werte, deine Wünsche und deine Prinzipien bist, desto leichter fällt es dir konsequent zu sein. Du weißt dann, was dir wirklich wichtig ist und in welchen Situationen du zu Zugeständnissen bereit bist.

Es gibt einfach Situationen, da sind die Folgen so schwerwiegend, dass es unbedingt notwendig ist, auf eine Art und Weise zu handeln.

Beispiele:

  • Vor Überqueren der Straße nach links und rechts schauen und stehen bleiben, wenn ein Auto kommt.
  • Zähne putzen! Wer je ein Kind gesehen hat, das im Kindergartenalter schon so schlechte Zähne hatte, dass sie operativ entfernt werden mussten, wird hier keine Kompromisse machen. Die Kinder leiden fürchterlich und haben Schmerzen.

Wenn du also ganz klar bist, dass es hier keine Ausnahmen geben kann, dann wirst du das auch dementsprechend vertreten.

Natürlich kann es auch hier zu Quengeleien kommen, aber du wirst Lösungen finden, weil die die Sache wichtig ist. Und du bist auch eher bereit, den Widerstand auszuhalten – zum Wohle des Kindes!

Sich mit sich selbst auseinandersetzen

Du siehst, es macht durchaus Sinn, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und zu schauen, wo die Gründe liegen, dass Konsequenz manchmal schwer fällt.

Bleib gelassen!

 

 

 

 

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