Sprich mit mir!

Sprich mit mir! - Teil 1Miteinander reden ist nicht immer einfach. Manchmal ist es sogar sehr schwer.
Wie hätte sonst das Standardwerk von Schulz von Thun so ein Erfolg werden können?

Friedemann Schulz von Thun befasst sich in drei Bänden mit der Kommunikation.
Diese Grundregeln lassen sich in der Kommunikation mit allen Menschen anwenden.
Es hilft, zu wissen, dass jede Nachricht einen Sachinhalt hat, etwas über den Sender aussagt (Selbstoffenbarung), die Beziehung zwischen Sender und Empfänger zeigt und eine Apellebene hat. Es hilft auch, wenn ich als Sender weiß, dass der Empfänger möglicherweise auf einem seiner Empfangsohren überempfindlich oder taub ist.

Aber nicht nur mit unseren  4 Ohren (Sachohr, Selbstoffenbarungsohr, Beziehungsohr und Apellohr) sorgen wir dafür dass die Nachrichtendichte geringer wird.

Unser Verstand kann nur eine bestimmte Menge an Informationen verarbeiten.
Bisher sagte man, dass jede Sekunde ungefähr 11 Mio BPS (Bits per Second) auf uns einstürmen.
Nach neuesten Erkenntnissen sind es aber eher 250 – 300 Mio BPS. Natürlich strömen diese Eindrücke nicht ausschließlich durch die Ohren auf uns ein :-) Würden wir auch nur einen Bruchteil davon aufnehmen würden wir in kürzester Zeit verrückt.

Daher haben wir verschiedene Strategien entwickelt, um mit dieser Informationsdichte umzugehen.

  • Wir filtern
  • wir löschen
  • wir generalisieren und verzerren

Wir filtern die ankommenden Botschaften

Möglicherweise hören wir

  • was wir erwarten
  • was wir zu hören bereit sind
  • was wir verstehen können
  • was uns bestätigt

Wir blenden Dinge aus

Bestimmte Aussagen in einem Gespräch nehmen wir gar nicht wahr, weil wir in Sekundenbruchteilen entscheiden, dass sie für uns nicht wichtig sind. Sprich mit mir! - löschenBrauchen wir diese Informationen später doch, so ist es für uns so, als hätten wir sie nie gehört.

Ein gutes Beispiel dafür ist mein Großvater :-)
Alle gesellschaftlichen Ereignisse werden von meiner Großmutter organisiert. Sie lädt die Freunde ein und sorgt für eine gastfreundliche Umgebung.
Natürlich teilt sie meinem Großvater die Termine mit. Da er aber mit der Organisation nichts zu tun hat, vergisst er sie gleich wieder. So kommt es hin und wieder vor, dass er freudestrahlend nach Hause kommt und erklärt am Tag xy plane er einen Ausflug. Wenn meine Großmutter dann verärgert erklärt, an diesem Tag kämen doch die Bergers zu Besuch, dann erklärt er entrüstet: „Das hast du mir nie gesagt.“

Wir verallgemeinern und verzerren

Das bedeutet, wir greifen auf Erfahrungen zurück, die wir schon gemacht haben und bringen das Gehörte damit in Verbindung.  Sprich mit mir!Das macht es für uns einfacher, mit der Flut von Informationen umzugehen und sie einzuordnen.
Eine der nettesten Verallgemeinerungen habe ich bei einer kleinen Tochter von Bekannten erlebt. Die Kleine wächst zweisprachig auf. Die Mutter ist Französin, der Vater Österreicher. Die Mutter spricht mit ihr französisch, der Vater deutsch. So weit, so schön :-)
Dieses Mädchen hatte diese Erfahrung aber im Alter von 3 Jahren verallgemeinert. Sie sprach mit Frauen nur französisch, mit Männern deutsch – und das auch, wenn sie die Gesprächspartner in der jeweils anderen Sprache ansprachen. Nach kurzer Zeit hatte sie den Dreh aber raus ;-)

Der Sender ist für die Übermittlung der Botschaft verantwortlich

Generell liegt es in der Verantwortung des Senders, ob seine Nachricht richtig ankommt.
Er weiß ja, was er ausdrücken möchte und kann durch nachfragen und Beobachtung feststellen, ob seine Nachricht auch richtig empfangen und entschlüsselt wurde.

Ein gutes Beispiel für eine falsche Entschlüsselung ist Sheldon in der Serie „The Big Bang Theory“. Er ist hochintelligent, hat aber autistische Züge und ist nicht in der Lage, die Gefühle anderer zu deuten. Er versucht sie mit seinem Verstand zu analysieren. Das funktioniert natürlich nicht immer.
Darum hat Sheldon auch keinerlei Sinn für Humor. Sarkasmus kann er nicht verstehen, weil er alles, was gesagt wird, wörtlich nimmt.
Seine Mitbewohner und Freunde müssen ihm ständig sagen: „Das war Sarkasmus.“

Sprich mit mir!

Wenn du das Gefühl hast dein Gegenüber hat dich nicht richtig verstanden, frag nach.

Es gibt ein paar einfache Regeln, die in jeder Kommunikation hilfreich sind.
Sie haben sich besonders in der Kommunikation mit Kinder bewährt.

  • Sag, was du willst
  • Bleib freundlich
  • Nimm mich ernst
  • Sag mir die Wahrheit
  • Bringe mir Achtung und Wertschätzung entgegen
  • Sei geduldig

Gute Kommunikation ist wichtig. Sie erleichtert uns in vielen Situationen das Leben. In meinem nächsten Artikel werde ich einige Beispiele bringen.
Und du? Sprich mit mir! :-)
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5 Kommentare
  1. Soheila Mojtabaei sagte:

    Liebe Ilse,

    du schreibst sehr schön über ein sehr sehr wichtiges Thema überhaupt, sowohl für Kinder als auch für die Erwachsenen.

    Besonders die Eltern sollten sich selbst fragen, wie sie mit sich selbst kommunizieren. Das ist bestimmend für die Art und Weise ihrer Kommunikation mit der Außenwelt.

    Die Wortwahl bestimmt ebenso die Gefühlslage jenach Erfahrungen mit Wortern.

    Herzliche grüße
    Soheila

    Antworten
    • Ilse Maria Lechner sagte:

      Liebe Soheila,

      Eltern sind auch in dieser Hinsicht ein Vorbild für ihre Kinder.
      Nicht umsonst, sagen viele Mütter, dass sie beim Spielen ihrer Kinder mit Puppen oder Figuren erkennen, wie sie selbst kommunizieren.
      Oft schon habe ich den Satz gehört: „Da hab ich mich auf einmal selbst reden gehört und mich ertappt gefühlt. Mein Tonfall, meine Wortwahl und meine Lieblingsfloskeln.“
      Allein das ist schon ein Grund auf die eigene Sprache zu achten.

      Liebe Grüße,
      Ilse

      Antworten
  2. Claudia Dieterle sagte:

    Hallo Ilse,
    guter Artikel. Richtig zuhören und den anderen verstehen, ist gar nicht so einfach. Dieselben Dinge werden oft unterschiedlich wahrgenommen, weil jeder andere Erfahrungen gemacht hat.
    Viele Grüße
    Claudia

    Antworten

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