Aus-gelassen leben

Trennungsschmerz und Trennungsangst bei Kindern

In meinem letzten Blogartikel habe ich den Trennungsschmerz von Müttern unter die Lupe genommen. Heute sind die Kinder dran. Was kannst du tun, um dein Kind zu unterstützen, wenn es Trennungsangst hat oder Trennungsschmerz verspürt.

Hier kannst du die Folge anhören:

Hier kannst du die Episode herunterladen. (Einfach auf den link klicken, danach die rechte Maustaste klicken und „Audio speichern unter“ wählen)

Weiter unten kannst du einen Blogbeitrag zu diesem Thema lesen.

Shownotes:

Hier findest du den Blogartikel über Trennungsschmerz von Müttern.

 

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Für die Cocktails musst du selbst sorgen. Ich stehe mit meinem Fachwissen und meiner Erfahrung 30 Minuten lang zu deiner Verfügung. Du kannst mir dein Problem schildern und wir finden gemeinsam heraus, wie ich dich am besten Unterstützen kann. Ich verrate dir einen ersten Quick-fix, der sicher bald Erleichterung bringt.

Trennungsschmerz bei Kindern

 

Dieser Blogartikel und der Podcast stammen vom 2. Juni 2017 und der Blogartikel wurde im August 2018 neu überarbeitet.

Viele Kinder beginnen mit 8 Monaten zu fremdeln. Diese Phase, wo das Kind zu weinen beginnt, wenn die Mutter den Raum verlässt oder nicht von anderen Menschen gehalten wird wollen, dauert meistens nur kurz. Nach 4 – 6 Wochen ist der Spuk oft schon vorüber. Manche Kinder bekommen diese Phase später, einige scheinen sie ganz auszulassen. In Wirklichkeit ist die Fremdelphase dann nur nicht besonders ausgeprägt oder sehr kurz.

So richtig spannend wird es aber erst rund um das 3. Lebensjahr, wenn Kinder ihren Ängsten Ausdruck verleihen. Dein Kind unterscheidet in diesem Alter schon sehr gut bekannt von unbekannt. Es hat aber immer noch kein ausgeprägtes Gefühl für Zeit. „Die Mama ist in ein paar Stunden wieder da.“ kann es nicht abschätzen.

Da diese Phase bei vielen Kindern mit dem Kindergarteneintritt zusammenfällt, kommt es genau dann zum Ausdruck vom Trennungsschmerz, den viele Eltern fürchten. Das Kind weint, klammert sich an die Eltern, schluchzt herzzerreißend … und ist nicht zu beruhigen.

In solchen Situationen ist es auch keinem guten Zureden und keinem Argument zugänglich. Warum auch? Angst ist irrational. Das Kind hat Angst, allein zu sein in einer fremden Umgebung. Schon für uns Erwachsene ist Angst ein Gefühl, das nur schwer auszuhalten ist. Wir haben aber das Wissen und die Erfahrung. Wir wissen, dass diese Ängste vorüber gehen. Ein Kind kann auf dieses Wissen nicht zurückgreifen.

Ich möchte heute nicht auf die Gründe von Trennungsangst eingehen, sondern dir zeigen, wie du deinem Kind helfen kannst.

Der 7-Schritte Plan, um dem Kind durch die Trennungsangst zu helfen

Diesen 7-Schritte Plan kannst du dann anwenden, wenn du sicher bist, dass dein Kind sich im Kindergarten, bei seiner Betreuungsperson oder Tagesmutter im Prinzip wohl und geborgen fühlt. Nur die Trennung von dir fällt ihm schwer.

1. Reflektiere deine Haltung

Wie steht es mit dir selbst. Bist du schon bereit, dich von deinem Kind zu trennen?
Ich erinnere mich gut an die Zeit, als mein Sohn zu seiner Tagesmutter kam. Er war etwas über ein Jahr. Ich hatte die Tagesmutter sorgfältig ausgesucht. Wir hatten eine gemeinsame Eingewöhnungszeit mit ihr. Doch als ich ihn den ersten Tag für 4 Stunden dort gelassen habe und wieder zur Arbeit ging, ist mir dieser Schritt sehr schwer gefallen. Zum Glück hat unser Sohn seine Tagesmutter vom ersten Treffen an in sein Herz geschlossen gehabt. Trotzdem merkte er meinen inneren Zwiespalt und begann kurz zu weinen. Als ich mich gefasst und tief durchgeatmet hatte war es schon wieder ein Schniefen und als ich ihn in den Arm nahm, um ihm zu versichern, dass ich bald wieder da sei, lachte er. Es war meine Haltung, die den Unterschied machte.

2. Ist die Situation notwendig

Wenn dein Kind unter Trennungsangst leidet, dann bring so viel Ruhe und Kontinuität in den Alltag, wie möglich. Vorausschaubarkeit und Rituale helfen deinem Kind, den nötigen Halt zu finden und Vertrauen aufzubauen. Es kann sich verlassen: Immer wenn ich ins Bett gebracht werde, gibt es eine Gute-Nacht-Geschichte, danach wird das Licht gedimmt und Mama verlässt den Raum.

Vorausschaubarkeit und Rituale helfen deinem Kind, den nötigen Halt zu finden und Vertrauen aufzubauen. Klick um zu Tweeten

Beschränke die Zeiten, an denen du dein Kind allein in fremder Obhut lässt auf das nötige Mindestmaß. Tagesmutter oder Kindergarten müssen eben sein, weil die Eltern sich nicht leisten können, zu Hause zu bleiben. Da gibt es meist keine Option. Das ist auch gut, denn so erkennt dein Kind, dass auch der Kindergartenbesuch den Tag strukturiert.

Andere Aktivitäten, wie z. B. Kinderturnen, Ballettstunden etc. müssen nicht sein. Unsere Tochter war ein fröhliches Kind, aber den Ballettunterricht wollte sie nicht allein besuchen. Nach 2 Versuchen haben wir es einfach aufgegeben, ein Jahr gewartet und nach einem Jahr haben wir einen Kinderbauchtanzkurs gefunden. Dort hat sie mich schon an der Tür verabschiedet: „Mama du kannst schon gehen, die Andrea ist schon da, ich mach das allein. Holst du mich dann ab?“ Sie benötigte nur diese Rückversicherung, um frei in den Kurs zu laufen. Und jedes Mal konnte ich sie danach lachend in meine Arme schließen.

 

Bauch geht vor Kopf

Wenn dein Kind unter Trennungsangst leidet, dann wird es im Moment des Abschieds von dem Gefühl überrollt.

Du kannst dir das ungefähr wie Lampenfieber vorstellen. Auch große Schauspieler kennen dieses Gefühl und sie wissen: „Da muss ich durch.“ Dein Kind weiß das noch nicht. Es fürchtet, dass dieses Gefühl so bleibt.

Hier eine kurze Erklärung, damit du weißt, warum du deinem Kind bei so intensiven Gefühlen wie Angst, gar nicht erst mit Argumenten zu kommen brauchst.

Unsere Gefühle werden in einem sehr alten Teil unseres Gehirns verarbeitet, im limbischen System und in der Amygdala. Dieser Bereich des Gehirns arbeitet schnell, instinktiv und ohne zusätzliches Nachdenken. Angst ist ein Gefühl, bei dem entwicklungsgeschichtlich rasche Entscheidungen nötig waren.
Pläne, Argumente und logische Sachverhalte, werden im präfrontalen Cortex verarbeitet. Auf diesen Bereich haben wir in Stresssituationen keinen Zugang. Darum kommt es auch bei Prüfungen zu Black-outs.

Außerdem ist bei Kindern der präfrontale Cortex, ein Teil des Stirnlappens, noch gar nicht voll entwickelt. Gerade dieser Bereich ist aber für Impulskontrolle, abwägendes Verhalten und Verhaltensplanung zuständig. Dein Kind kann das einfach noch nicht! Es erlernt all das erst und der Entwicklungsprozess ist erst mit der Pubertät wirklich abgeschlossen.

3. Trauer respektieren

Auch wenn es dir schwer fällt, die Tränen deines Kindes auszuhalten. Sätze wie: „Das ist keine Grund zum Heulen.“ Haben hier keinen Platz.

Sätze wie: „Das ist keine Grund zum Heulen.“ Haben hier keinen Platz. Klick um zu Tweeten

Ich weiß, es ist nicht leicht, ruhig zu bleiben und nicht nervös zu werden, wenn die Zeit drängt und dein Kind weint. Das ist auch nicht notwendig. Dein Kind braucht eine Mama, die echt ist. Es ist in Ordnung, wenn du auch nervös bist, solange du nicht die Nerven verlierst. Du kannst das deinem Kind auch sagen: „Weißt du, wenn ich sehe, wie traurig du bist, dann wird auch mir das Herz ganz schwer. Komm lass uns noch ein wenig kuscheln.“ Oft helfen schon 5 Minuten.

4. Zeit mitbringen

Wenn du dein Kind gut begleiten willst, dann brauchst du Zeit. Sonst bleibt dir oft nichts anderes übrig, als einen Termin zu versäumen oder dein Kind heimlich zu verlassen. Heimlichkeit verunsichert zusätzlich! Dein Kind bekommt dann das Gefühl, dass es sich nicht auf dich verlassen kann. Gerade warst du noch da – schon bist du weg. Vergiss nicht, dass dein Kind noch im magischen Abschnitt seiner Entwicklung steht. Du bist also praktisch weggezaubert. Das schafft Kontrollverlust!

Plane also vor allem anfangs genug Zeit ein, damit du die Abschiedsrituale mit deinem Kind abschließen kannst. Du wirst sehen, dass die Zeit die ihr benötigt, um euch gut zu verabschieden immer kürzer wird.

5. Verständnis und Liebe

Dein Kind braucht bei Trennungsschmerz erst einmal dein Verständnis und deine Liebe. Nimm es in den Arm, tröste es und gib ihm Sicherheit. So wird es sich relativ rasch wieder beruhigen.

Das gute an der Sache ist: Du kannst der Angst genauso magisch und irrational begegnen, wie sie auftaucht. Ihr könnt gemeinsam einen „Zauberspruch“ erfinden, der die Angst vertreibt, ein Ritual einführen, dass die Angst besiegt oder sie einfach „niederbusseln“ oder „wegkitzeln“. Nimm aber die Angst deines Kindes immer ernst. Achtung: „Wegkitzeln“ funktioniert nur, wenn dein Kind dran Spaß hat und sich nicht auf den Arm genommen vorkommt. Manche Kinder vertragen auch dieses Kitzeln gar nicht. Es ist ihnen körperlich hoch unangenehm.

Das gute an der Sache ist: Du kannst der Angst genauso magisch und irrational begegnen, wie sie auftaucht. Klick um zu Tweeten

6. Verlässlich sein

Dein Kind braucht Sicherheit. Darum ist es auch ganz wichtig, dass du in deinem Verhalten verlässlich bist und hältst, was du versprichst. Dadurch kann es Vertrauen aufbauen.

Wenn du also sagst: „Ich dreh mich draußen noch einmal um und winke dir“, dann tu das auch.

Wenn du versprichst, dass du dein Kind gleich nach dem Mittagessen abgeholt wird, dann sei da! Wenn du nicht sicher bist, ob du dieses Versprechen einhalten kannst, dann mach es vorsichtshalber nicht. Im Zweifelsfall ist es besser früher da zu sein, als erwartet und das Kind zu überraschen.

Wenn du versprichst, dass du dein Kind gleich nach dem Mittagessen abgeholt wird, dann sei da! Klick um zu Tweeten

Kinder nehmen gebrochene Versprechen sehr übel und merken sich diese Ereignisse erstaunlich lang.
Es kann durchaus vorkommen, dass dein Kind nach Monaten erzählt: „Weißt du noch, als du mir gesagt hast, du holst mich nach dem Mittagessen. Und dann hast du doch länger arbeiten müssen.“ Damit dann umzugehen ist eine Herausforderung. Denn dann schleicht sich schnell das schlechte Mama-Gewissen ein. Schließlich hat dein Kind ja recht.

Wichtig ist es auch, das Kind nicht so lange wie möglich im Kindergarten zu lassen. Da kann schnell die Angst hochkommen: „Alle anderen sind schon weg. Die Mama hat mich vergessen.“ Solche Erlebnisse und die damit verbundenen Ängste prägen sich unbewusst ein. Solchen Menschen fällt es mitunter das ganze Leben schwer, an einem vereinbarten Treffpunkt zu warten, wenn sich jemand verspätet.
Ich habe in letzer Zeit immer wieder mit Erwachsenen zu tun, denen es so geht.

7. Vertrauen schenken

Zeig deinem Kind, dass du ihm zutraust, mit der Situation klarzukommen. Sag deinem Kind etwas wie: „So jetzt gibt es noch einen dicken Kuss und dann gehst du in die Gruppe. Ich weiß, dass du das kannst und dass du heute noch Spaß haben wirst. Ich komme dich dann ganz sicher um 13:00 Uhr abholen. Du kannst dich drauf verlassen.“
Schließlich gehört auch dieser Schritt in die Selbstständigkeit dazu.

Mit jedem gschafften Tag findet dein Kind mehr Vertrauen in sich selbst.

Nachbemerkung

Manche Kinder wissen ganz gut, was sie erwartet und sie freuen sich auch schon drauf.  Natürlich schmerzt der Abschied ein wenig. Sie wissen sie können sich auf ihre Eltern verlassen – die kommen wieder. Trotzdem weinen sie beim Abschied. Bei diesen Kindern kann es auch sein, dass sie mit den Tränen ihren inneren Druck abbauen. Sie haben im Moment so viele widersprüchliche Gefühle zu verarbeiten, dass sie verwirrt sind.

Diese Tränen versiegen kurz nachdem die Eltern gegangen sind. Dann sind diese Kinder ganz im hier und jetzt. Sie können sich auf ihre Freude und den Spaß konzentrieren.

Genau das können viele Eltern nicht glauben. Als meine Kinder noch im Kindergarten waren, konnte ich einige dieser Kinder beobachten. Eine Freundin von mir hatte so ein Kind. Es kam mehr als einmal vor, dass ich sie traurig in ihrem Auto vor dem Kindergarten sitzen sah. Da wir meistens etwas später dran waren, konnte ich ihr jedes Mal sagen, dass ihr Kind schon lachend in der Gruppe tollt.

Bleib gelassen!

 

 

 

 

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